Religion heute

31. Juli 2011

Es ist als ginge die Sonne auf – Paul Gerhardts ‘Die güldne Sonne’

Einsortiert unter: Artikel — Dieter Koch @ 11:21
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Es ist als ginge die Sonne auf – Paul Gerhardts Lied ,Die güldne Sonne’

 

Es ist als ginge die Sonne auf, so oft der Name Paul Gerhardt in mein Gedächtnis trifft, so sprach der Dichter Rudolf Alexander Schröder von seiner Begegnung mit dem großen evangelischen Lieddichter. Es ist als ging die Sonne auf – diese Aussage gilt in ganz besonderer Weise für das Morgenlied aller Morgenlieder, das wir Paul Gerhardt verdanken: Die güldne Sonne. Dieses Lied ist bestimmt vom Licht und weicht doch den Schatten nicht aus. Es ist ein Lied der Freude, die auch noch den Schmerz umgreift, ein Lied, in dem Schöpfungsherrlichkeit und Glaubensgewißheit zutiefst ineinander verknotet sind – dank der Sonne, dank dem Sonnenhaften, das dieses Lied vor Augen malt und zu dem es erheben will. Die Sonne, die dabei im Blick steht ist aber nicht einfach nur der Morgenglanz des Himmelskörpers. Mit der güldnen Sonne meint Paul Gerhardt den sonnenhaften Glanz der Gottesgnade, die in Jesus Christus auf uns zugekommene Gnade. Er ist die wahre Sonne, die mir lachet. In Gottes unaussprechlich sonnenhafter Allmacht und Gnade liegt ihm alles beschlossen, was unser Leben betrifft: seine Bewahrung und seine Vergänglichkeit, seine Führung und seine Verwundungen. Das Leben entfaltet sich zwischen dem traumhaft schönen Auftakt der ersten Strophe: Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht und dem Ausklang der letzten Strophe – sie gilt als die vollendetste Strophe deutscher Sprache vor Goethe: Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille wird mich erwarten im himmlischen Garten, dahin sind meine Gedanken gericht.

Wir stehen also gleichsam zwischen dem immer wiederkehrenden Aufgang des irdischen Morgens, in sich ein tägliches Wunder, das mit dem Aufstrahlen des Morgenlichtes über uns kommt und dem einen ewigen Morgen unserer Einkehr in Gott. Für Paul Gerhardt ist jeder Morgen ein Geschenk und eine Verheißung des Neuanfangs. Herzerquickendes, liebliches Licht – wo es erstrahlt, erhebt es einen zugleich und schenkt den weiten Blick. Mein Haupt du Glieder, die lagen darnieder, aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht. Es gibt viele –auch ganz und gar misslungene Weisen, wie ein Morgen anbricht, diese jedoch ist die schönste. Man sollte sich gönnen, immer neu und immer wieder einzutreten in den Sonnenraum des Lebens. Wir dürfen staunen und den Blick wandern lassen durch Gottes Schöpfung, ja mehr noch im Blick nach oben in das Unsichtbare eintreten, in Gottes Welt. Denke daran: Die besten Güter sind unsre Gemüter, dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, an welchen er sich am meisten ergötzt. Denn wer kein helles Gemüt hat, wer keine dankbaren Lieder singen mag, dem muß letztlich alles Hab und Gut, ja das Leben selbst zur Last werden. Welch Größe und welcher Trost liegt beispielhaft in der 4.Strophe des wunderbaren Liedes: Abend und Morgen sind seine Sorgen, segnen und mehren, Unglück verwehren sind seine Werke und Taten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; wenn wir aufstehen ,so lässt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein. Für Paul Gerhardt passt es noch zusammen, das Bekenntnis zur Allmacht Gottes und die Annahme seiner Führung in unserem persönlichen Geschick. Uns fällt das heutzutage viel schwerer. Aber was der Verstand nicht zusammenbringt, das Leid der Welt und die Güte Gottes, wird im Herzen verwandelt, umgriffen von Freude, weil dies gerade das Wunder der Gnade ist, dass Gott die tödlichen Schmerzen angenommen  hat und manchmal den Leib, entscheidender aber Seele und Geist zu lindern und zu heilen sucht. Wie sagt Paul Gerhardt doch: Gott ist nichts Nebulöses, Unheimlich-Ungewisses, sondern das Größte, das Schönste, das Beste, aus allen Schätzen der edelste Hort.

Ich wünsche Ihnen leichte, sonnenerfüllte Tage im August Ihr Pfarrer Dr. Dieter Koch

2. Dezember 2010

und baute der Psalmen Nachtherbergen für die Wegwunden – Kurzeinführung in das Buch der Psalmen

Einsortiert unter: Artikel — Dieter Koch @ 16:49
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Und baute der Psalmen Nachtherbergen für die Wegwunden, mit dieser Zeile fasste die Lyrikerin und Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs  in ihrem Gedicht ‚David‘ das Geheimnis der Psalmen, dieses einzigartigen Gebetbuches Israels. Eine Sammlung von poetischen Texten, 150 an der Zahl, vielfältig im Aufgesang der Seele, so vielfältig wie das Leben selbst, eingebunden zwischen Not und Freude, Klagen und Loben. Das Buch der Psalmen ist die Antwort Israels auf Gottes Selbstoffenbarung in Geschichte und Weisung, eine paradigmatische Gestalt jenes Gesprächs der Seele mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung, das allüberall möglich ist und doch in diesen Liedern seinen fast vollendeten Ausdruck fand – Wegleite für die Wege des Herzens, Herberge für die Wegwunden. (more…)

10. Mai 2010

Ostern – Fest der Auferstehung Jesu

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Ostern – das Fest der Auferstehung Jesu

Jesu Auferstehung ist keine Rückkehr in diese Welt, keine Verlängerung seines Sterbelebens, was ist sie dann? Der Aufbruch in ein Licht, das nicht von dieser Welt ist – und doch diese Welt durchstrahlt. Die letzte Stufe der Verwandlung wird betreten, ein Raum tut sich auf, so unendlich anders und doch wahr und da und gut – Gott.

Das Wort von der Auferstehung zeichnet den Gotteshorizont in die Todesstruktur dieser Welt ein. Es ruht auf auf der zum Bild gewordenen Erfahrung des Erwachens aus dem Schlaf in den anbrechenden Morgen. Wie unendlich tief ist der Unterschied von Tag und Nacht, Traumwelt und Tageswelt. Wie unendlich tief kann der Unterschied sein zwischen den Zeiten tiefer Resignation, ja der Schwermut und den Tagen hellen, leichten Tuns und Lassens. (more…)

17. Februar 2010

Alles ist eitel

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Alles ist eitel  – Du, Herr, aber bleibst, und den Du ins Buch des Lebens schreibst,

sehr geehrte Damen und Herren, sie sind heute eingeladen, auf ausgewählte Abschnitte aus dem Buch des Prediger Salomo zu hören. Unter den Stimmen des Alten Testaments, ist die Weisheit eine ganz eigenständige Form der Lebensbetrachtung und Gottesvergewisserung und innerhalb der Weisheit Israels ist die des Predigers eine besonders herbe und zugleich tief anregende Gestalt.

Überliefert unter dem Namen Prediger Salomo hören wir auf eine namentlich unbekannte Gestalt von großem Einfluss. Ein Jerusalemer Lehrer, wohl Vorsteher einer hohen Schule, (daher der andere Name Kohelet = hebräisch für Vorsteher/Versammlungsleiter), schlüpft in das Gewand des weisen König Salomo und denkt über das Weltgeschick nach. (more…)

14. Februar 2010

Ruhe ist nirgends im All

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Buß- und Bettag (18.11.): Lukas 13,1-9

„Ruhe ist nirgends im All außer im lichten Bewußtsein des Menschen. Stille des Sinns – gewaltige Sonderheit in einem Raum voll Akt und Raserei“ (Botho Strauss)

I. Erste Annäherungen

Warum? Warum lässt uns Gott leiden? Immer neu treibt diese Frage uns um. Der Amoklauf in Winnenden schockierte das Land. In seinem Nachhall entstand diese Meditation. Andere Bilder stellen sich ein. Massaker an heiligen Orten. Die alljährlich wiederkehrenden Toten beim schiitischen Aschurafest. Selbstmordattentäter reißen Gläubige auf der islamischen Wallfahrt in den Tod. Die nicht endende Kette aus schwersten Verbrechen, abgrundtiefen Taten des Bösen und namenlosen Naturkatastrophen zeichnen eine Spur der Verwüstung in die Seelen der Menschen. Gott erscheint in dieser Wahrnehmung nur als abwesender Feigling oder als grausamer Moloch. Warum? Die Hilflosigkeit steht den Menschen in die Augen geschrieben, die Seelen sind leer. „Kein Himmel. Nur Gewölk ringsum schwarzblau und wetterschwer… Mein Herz, die Hungerkrähe, fährt kreischend über das Land“. So zeichnete einst A.Goes in seinem Gedicht ‚Landschaft der Seele’ die Weltstunde der Heimsuchung. Sie hält an. Warum? Wohin? Fragen am Buß-und Bettag. (more…)

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